Im 1. Teil “Die wichtigsten Faktoren für eine gute LoRaWAN-Funkreichweite" unserer Reichweitenserie haben wir uns den theoretischen Faktoren gewidmet, die Einfluss auf die Reichweite eines LoRaWAN haben. Dieser isolierten Betrachtung von Funkverbindungen zwischen zwei Punkten folgt nun im 2. Teil der Bezug zur Praxis. Es werden konkrete Beispiele aus realen Anwendungsfällen vorgestellt und bewertet. 


 

Die besonderen Eigenschaften von LoRa, speziell die geringe Störanfälligkeit, der niedrige Pfadverlust und die sehr gute Gebäudedurchdringung, ermöglichen auch im urbanen Umfeld sehr hohe Reichweiten. Selbst mit modernen, softwaregestützten Simulationsmethoden lässt sich die tatsächliche Reichweite und die Abdeckung eines Funknetzwerkes nur bedingt berechnen - was nicht nur für LoRa, sondern für jegliche Funktechnologie, gilt. Daher sind vor allem in der ersten Phase Reichweiten- und Durchdringungstests ein wichtiges Werkzeug, um das Verhalten der Funkwellen in der Realität in unterschiedlichen Umgebungen besser verstehen zu können.

In diesem Artikel nehmen wir Bezug auf drei dokumentierte Tests in unterschiedlichen Szenarien:

  • Städtisches Umfeld: 5 unterschiedliche Testfälle
  • LoRaWAN in einem Vorstadtgebiet
  • Durchdringung von Kelleräumen zum Auslesen von Zählerdaten

Generell sind in der Literatur bisher nur wenige experimentelle Reichweitentests gut dokumentiert.

Ergänzt wird dies durch drei Berechnungsmodelle für die Netzabdeckung:

  • LoRa-Signalen in Waldgebieten
  • in Innenräumen und
  • unter Wasser - zugegeben sehr spezial, aber dennoch interessant, wie wir finden.

Zusätzlich lassen wir unsere eigene Erfahrung aus bisherigen Reichweiten- und Durchdringungstests in unterschiedlichen Kundenszenarien einfließen und bewerten die dokumentierten Tests und Berechnungsmodelle. In einem separaten Beitrag werden wir auf diese Ergebnisse näher eingehen (geplante Veröffentlichung Q1 2018).

 

Szenario 1: LoRaWAN im Zentrum einer europäischen Stadt

 

Die meisten Städte, von denen uns Daten vorliegen, haben für Europa klassische Bebauungscharakteristik: Grob beschrieben gibt es nur wenige sehr hohe Gebäude, einige hohe Gebäude und viele, die nur wenige Stockwerke hoch sind. Es handelt sich dabei nicht um Megacities mit fast ausschließlich hoher Bebauung im Stadtkern.

In über 20 Reichweitentests im urbanen Umfeld konnten wir mit exponierten Gateway-Standorten Abdeckungen bis weit über 10 km erzielt. Auf einzelne Messungen wird im weiteren Verlauf eingegangen.

In einer Veröffentlichung des Hardware-Anbieters Libelium wurde in Zaragoza der Versuchsaufbau und die damit erzielten Reichweiten recht gut dokumentiert [siehe dazu Quelle 1 und Quelle 2]

Beschreibung des Versuchsaufbaus:

  • Es handelte sich um sog. Nicht-Sichtverbindungen (NLOS, Non Line of Sight) in urbanem Umfeld
  • Spreading Factor 12 (maximale Reichweite)
  • maximale Ausgangsleistung: 14 dBm
  • Frequenzkanal: 868 MHz-Band
  • das empfangende Gateway Rx war auf dem Dach in etwa 12 Meter Höhe montiert
  • die Sendeeinheit (Tx) wechselte die Position zwischen 5 Kontrollpunkten.
  • An jedem Punkt wurden 50 Sendeversuche durchgeführt

 

Die Eigenschaften der Kontrollpunkte und die Ergebnisse der Messreihen haben wir in einer Liste zusammenfassen:

  • Kontrollpunkt 1: Das Signal durchläuft vier Gebäude. Drei Hochhäuser und ein niedriges Gebäude erlauben keine Sichtverbindung auf diesem Weg. Außerdem findet sich auf dem Weg zum Empfänger ein Freiraum. Die Reichweite beträgt 830 m. 96% der gesendeten Datenpakete wurden empfangen.
  • Kontrollpunkt 2: Das Signal durchläuft 14 Gebäude. In diesem Fall befindet sich eine große Gruppe niedriger Wohnhäuser in der Nähe des Kontrollpunktes 2. Auf dem Weg zum Empfänger befindet sich auch ein Wohnblock. Die Reichweite beträgt 960 m. 92% der gesendeten Datenpakete wurden empfangen.
  • Kontrollpunkt 3: Das Signal durchläuft sechs Gebäude. Dieser Punkt befindet sich an der Seite eines großen Platzes in der Umgebung. Der Pfad durchläuft ein großes Wohnhaus und im Anschluss einige Industriegebäude. Die Reichweite beträgt 1070 m. 98% der gesendeten Datenpakete wurden empfangen.
  • Kontrollpunkt 4: Das Signal durchläuft 14 Gebäude. Dies ist der größte Pfad. Dieser Punkt stößt auf vier hohe Wohngebäude. Dann folgt ein Freiraum ohne Hindernisse, bevor er wieder eine Gruppe von Hochhäusern erreicht. Schließlich werden mehrere Industriebauten gefunden, bevor der Weg zum Empfänger beendet wird. Die Reichweite beträgt 1530 m. 98% der gesendeten Datenpakete wurden empfangen.
  • Kontrollpunkt 5: Das Signal durchläuft sechs Gebäude. Dieser Kontrollpunkt ist vom Empfänger durch mehrere Industriebauten getrennt, die keine Freiräume zwischen sich haben. Die Reichweite beträgt 863 m. 100% der gesendeten Datenpakete wurden empfangen.

 

Kontrollpunkt Entfernung zum Gateway (Rx) Anzahl der Gebäude zw. Tx und Rx Erfolgsquote
1 830 m 4 96 %
2 960 m 14 92 %
3 1070 m 6 98 %
4 1530 m 14 98 %
5 863 m 6 100 %

 

Bewertung des Ergebnisses und praxisnahe Optimierungsvorschläge

Der Tatsache, dass nicht immer 100% der Pakete übertragen werden, entgegnet man beim LoRaWAN-Standard mit den üblichen Methoden: Falls erforderlich kann die Kommunikation so konfiguriert werden, dass Nachrichten vom Empfänger bestätigt werden müssen (sog. Confirmed Up- und Downlinks) d.h. der Sender wartet auf eine Empfangsbestätigung und sendet nach einem definierten Zeitraum die Daten erneut, falls diese Bestätigung ausbleibt. Die hier erzielten Werte können alle als unkritisch betrachtet werden.

Es gibt 3 entscheidende Strategien, um die Reichweite und Abdeckung zu optimieren:

  1. Bei regulären LoRaWAN-Anwendungen können durch die Akzeptanz geringerer Erfolgsquoten auch größere Abdeckungen und Reichweiten erzielt werden d.h. die Reichweiten im Test hätten durchaus vergrößert werden können, indem einzelne fehlgeschlagene Übertragungen und daraufhin ein erneutes Senden akzeptiert wird.
  2. Netzwerktopologien mit redundanten Gateways aus verschiedenen Richtungen führen zu einer höheren Netzabdeckung bei gleichbleibender oder verbesserter Erfolgsquote.
  3. Die Ausleuchtung in der Fläche ließe sich mit einer höheren Positionierung des Gateways deutlich verbessern. Das Gateway in diesem Test war nur auf 12m Höhe angebracht. Das sog. Hata-Propagation-Model, ein einfaches Funkausbreitungsmodell zur Berechnung des Pfadverlusts von Funkwellen im Freien, beschreibt den Zusammenhang zwischen Reichweite und Höhe sehr anschaulich: Bei einer Erhöhung des Gatewaystandorts von bspw. 12 auf 30 Meter steigt die ursprüngliche Reichweite fast um das Doppelte (siehe Grafik unten, Quelle: Kerlink, Kerlink Manual LoRa IoT Station v2.17).

In einem unserer Kundenprojekte wurde in einer deutschen Großstadt mit über 150.000 Einwohnern in einer ersten Phase drei Gateways (5, 10 und 45 Meter Höhe) installiert und unterschiedlichste Reichweiten- und Durchdringungstests durchgeführt. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie in der Tabelle.

Höhe Anzahl Datenpunkte Max. Reichweite Reichweite Durchschnitt
Gateway 1 5 m 444 5,53 km 1,43 km
Gateway 2 10 m 762 16,27 km 3,3 km
Gateway 3 45 m 1619 20,99 km 2.92 km

 

Die dort erzielten Ergebnisse übertreffen die Ergebnisse des oben zitierten Aufbaus, besonders durch den Standort mit dem sehr hoch gelegenen Gateway. Die detaillierten Ergebnisse dieses und weiterer Tests werden wir Anfang 2018 veröffentlichen. (Bitte registrieren Sie sich am Ende des Artikels, um eine Nachricht zu erhalten, sobald die Ergebnisse publiziert sind.)

Szenario 2: LoRaWAN in einem Vorstadtgebiet

 

In “A Study of LoRa: Long Range & Low PowerNetworks for the Internet of Things” von Aloÿs Augustin, Jiazi Yi, Thomas Clausen und William Mark Townsley ist ein Reichweitentest gut dokumentiert, der in einem Pariser Vorort durchgeführt wurde.

Versuchsaufbau

Das Gateway befand sich im 2. Stockwerk eines Hauses, direkt vor dem Fenster. Am Testtag betrug die Luftfeuchtigkeit 55% bei einer Außentemperatur von 15 °C. Es wurden fünf verschiedene Testpunkte ausgewählt, wobei die Entfernung zum Gateway 650 m bis 3.400 m betrug.

Das Endgerät befand sich während der Tests in einem Auto. Die Sendeleistung des Endgeräts wurde auf 14 dBm eingestellt, was dem Standardwert entspricht.

Um die Leistung verschiedener Spreizfaktoren zu testen, wurden die Paketbestätigung und die Neuübertragung ausgeschaltet. Die Verbindungsprüfung wurde ebenfalls deaktiviert, so dass sich der Verteilungsfaktor nicht änderte, selbst wenn ein Paketverlust vorlag. - Standardmäßig passt das LoRaWAN-Netzwerk den Spreizfaktor an die Verbindungsqualität an.

Für diese Tests wurden die Spreizfaktoren 7, 9 und 12 gewählt. Bei jedem Test wurden etwa 100 Pakete mit einer Sequenznummer an den Netzwerkserver übertragen.

Ergebnis

Die höheren Spreizfaktoren haben eine bessere Abdeckung als zuvor beschrieben – bei einem SF-Wert von 12 wurden mehr als 80% der Pakete auf 2.800 m empfangen, während bei einem SF von 7 kein Paket empfangen wurde. Das Gateway befand sich im zweiten Stockwerk auf etwa 5 m über dem Erdboden. Der Kontrollpunkt lag in 2.800 m Entfernung direkt hinter einem Gebäude mit sieben Stockwerken. Auf 3.400 m Entfernung wurde die Abdeckung nur von SF12 geliefert. Der Preis für die hohe Übertragungsrate unter Verwendung des hohen Spreizfaktors ist eine wesentlich niedrigere Bitrate. Auf der anderen Seite ist die Netzwerkabdeckung mit niedrigen Spreizfaktoren viel geringer.

Für eine permanente Installation wäre die Positionierung des Gateways an einem günstigeren Standort zu berücksichtigen. Für eine möglichst flächige Abdeckung ist die Positionierung in einem Gebäude im 2. Stockwerk sicherlich suboptimal.

Szenario 3: LoRaWAN zum Auslesen von Wasserzähler, Gaszähler und Stromzähler in einem Keller

In der vorher schon erwähnten Quelle von Libelium wird auch ein Szenario erwähnt, bei dem es um die Abdeckung in Kellernähe geht. Die Rahmenbedingungen werden leider nur grob umrissen: Bei dieser Messung befand sich der Sender außerhalb des ersten Stockwerks eines Bürogebäudes in einer Höhe von etwa 3 Metern. Der Empfänger befand sich unter dem Erdgeschoss, an einem Garageneingang. Zwischen den Punkten gab es keine Sichtverbindung und die erreichte LoRaWAN-Reichweite betrug 206 m. Sehr viel mehr ist nicht dokumentiert.

Wesentlich aufschlussreicher sind die Ergebnisse, die wir selbst gemeinsam mit Kunden bei Durchdringungstests erzielt haben. Auch hier möchten wir kurz drei Beispiele skizzieren (weitere Details folgen in den kommenden Wochen).

Im ersten Test wurde für die Vernetzung eines Wasserzählers Daten über eine Distanz von 998 Metern aus einem in der Straße eingelassenen Schacht an ein Gateway in 35 Meter Höhe übermittelt. Die Verbindung konnte trotz der metallische Abdeckung des Schachts hergestellt werden. Um reale Bedingungen zu testen wurde auch ein Lieferwagen auf dem Schacht geparkt, Signale konnten trotzdem mit zufriedenstellender Qualität empfangen werden.

Bei einem weiteren Kunden wurden Durchdringungstests in fünf verschiedenen Kellerräumen über einen Zeitraum von mehreren Tagen im Umkreis von 4 km getestet.

 

1 2 3 4 5
Entfernung Erfolgsquote Entfernung Erfolgsquote Entfernung Erfolgsquote Entfernung Erfolgsquote Entfernung Erfolgsquote
Gateway 1: 5 m 3600 m 0% 2700 m 0% 1600 m 0% 5100 m 0% 1100 m 0%
Gateway 2: 10 m 4000 m 0% 3400 m 0% 3800 m 1% 2800 m 0% 4100 m 25%
Gateway 3: 45 m 800 m 82% 1800 m 4% 2100 m 86% 2600 m 77% 3900 m 55%

 

Die Tabelle zeigt die jeweilige Entfernung zum Gateway sowie die zugehörige Erfolgsquote. Die einzelnen Standorte wurden über mehrere Stunden bzw. Tage mit mehreren tausend Sendeversuchen getestet. Kellerräume mit ihren jeweiligen Widrigkeiten (Stahlbeton, 2. Untergeschoss, Stahlkellertüren etc.) lassen sich durchaus auch über weite Entfernungen vernetzen. Hier spielt die Höhe des Gateways eine maßgebliche Rolle.
Zudem wird hierbei von Anwendungsfällen ausgegangen, die einen erneute Übertragung von Werten bedarf, falls die Erfolgsquote eine direkte Übertragung nicht immer gewährleisten kann.

In einer weiteren Installation in einem Quartier werden mit 2 redundant aufgestellten Gateways Daten aus Kellerräumen ebenfalls mit guter Verbindungsqualität in ein Energiemanegementsystem übertragen. Lesen Sie dazu mehr in unserem Blogpost “LoRaWAN – Ein Beispiel aus der Praxis”.

Diese Beispiele zeigt, dass LoRaWAN ein großes Potenziale für Versorgungs- und Abrechnungsunternehmen bietet, wenn es dazu genutzt wird, die Daten von Wasser-, Gas-, Wärme- oder auch Stromzählern aus den Kellern in Abrechnungs- und Monitoring-Systeme zu übertragen.

Modellrechnung 1: Die Abdeckung von LoRaWAN in Innenräumen

 

Bei der Planung der drahtlosen Netzwerk-Abdeckung werden üblicherweise Planungsanforderungen an den Innen- und den Außenbereich einbezogen. Dementsprechend wurden dazu passend statistische Ausbreitungsmodelle entwickelt, um die Flächenplanung zu unterstützen. Hier wird auf das Modell von Davide Magrin eingegangen (siehe Network level performances of a LoRa system). LPWAN-Kommunikationsnetzwerke wie LoRaWAN sind im Wesentlichen PMP, wobei Sensoren auf verschiedenen Etagen, einschließlich den Kellern, installiert sind. Diese Anforderungen zwingen Netzwerkplaner dazu, digitale 3D-Karten zu erarbeiten und pfadspezifische, deterministische Ausbreitungsmodelle anzuwenden.

Um die durch Außen- und Innenwände von Gebäuden verursachten Verluste zu modellieren, gibt es mehrer Lösungesansätze. Zum Beispiel wird in einem der verfügbaren Modelle der Einfluss der Gebäude auf den Pfadverlust von LoRaWAN-Netzwerken durch folgende Einheiten bestimmt:

  1. Verluste durch die Außenwände von Gebäuden, im Folgenden mit EWL bezeichnet.
  2. Verluste durch die Innenwände von Gebäuden;
  3. Gestiegene Leistungsaufnahme aufgrund der Tatsache, dass sich ein Gerät über dem ersten Stockwerk befindet.

Dieses Modell kann als Ansatz bei der Bestimmung von Pfadverlusten durch Gebäude folgendermaßen herangezogen werden:

a) Verluste durch die Außenwände von Gebäuden:

Die EWL für ein Gerät wird als einheitliche Zufallsvariable, die Werte in einem bestimmten Bereich annimmt, modelliert. Aufgrund der Tatsache, dass zwei Geräte nicht notwendigerweise denselben Pfadverlust durch Außenwände erfahren, soll die Unterschiedlichkeit von Materialien und Dicke der Außenwände in einer Vielzahl von verschiedenen Gebäuden modelliert werden. Drei möglichen Wertebereiche und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Knoten diese Art von Verlust erfährt, sind in Tabelle 2 angegeben.

Wahrscheinlichkeit Bereich r
0,25 [4, 11] dB
0,65 [11, 19] dB
0,1 [19, 23] dB

Tabelle 2: Eine mögliche Wertebereiche der EWL und die Wahrscheinlichkeit

b) Verluste durch die Innenwände von Gebäuden:

Der Einfluss der Innenwände wird als Maximalwert zwischen zwei Werten ausgedrückt. Der erste Wert stellt den Verlust aufgrund der Anzahl der Innenwände dar:

Tor1 = Wi · p,               (5)

wobei

Wi = gleichmäßig im [4, 10] dB-Bereich verteilt und
p = Anzahl der Innenwände, die den Sender vom Empfänger trennen.

Es wird angenommen, dass p = 3 für 15% der Geräte ist und dass der Rest der Geräte gleichmäßig auf die Werte von p = {0, 1, 2} verteilt ist.

Der zweite Wert, der benötigt wird, um den Pfadverlust durch Innenwände zu modellieren, ist:

Tor3 = αd,               (6)

wobei

α = 0,6 dB/m – der Koeffizient der Eindringungstiefe und
d-Wert gleichmäßig im Bereich [0, 15] m verteilt.

c) Steigerung der empfangenen Leistung:

Schließlich beschreibt der GFH-Beitrag den besseren Empfang, der durch Antennenhöhe erreicht wird. Dieser Parameter wird durch folgenden Ausdruck bestimmt:

GFH = n*Gn,               (7)

wobei

Gn = 1,5 dB/Stockwerk – der Gewinn aufgrund der Steigerung der Höhe um ein Stockwerk
n = Anzahl der Stockwerke, ist gleichmäßig auf die Werte von n = {0, 1, 2, 3, 4} verteilt.

Diese drei Parameter definieren den Gesamtverlust durch Gebäude für ein Innengerät wie folgt:

LGebäude(dB)= EWL + max(Tor1, Tor3) − GFH               (8)

 

Im realen Umfeld deuten einige Tests mit unterschiedlichen Szenarien darauf hin, dass auch die Montage eines Gateways auf demselben Dach eines mehrstöckigen Gebäudes mit dem zu vernetzenden Kellerraumes bzw. Untergeschoss sinnvoll sein kann - selbst, wenn laut Berechnung des Gesamtverlusts für den direkten Weg durch mehrere Stockwerke und Wände theoretisch keine Durchdringung gewährleistet werden könnte.

Hier ist selten der direkte Weg durch das Gebäude entscheidend, sondern vielmehr die Reflexion an Nachbargebäuden. Der Weg ist zwar länger, allerdings beschränkt sich so die Dämpfung auf 1-2 Wände und den Reflexionsfaktor der Gebäudehülle.

Modellrechnung 2: LoRaWAN-Reichweite im Wald

 

In ländlichen und halbländlichen Regionen können insbesondere Bäume in erheblichem Maß zu Pfadverlusten führen. Zudem muss eine Vielzahl an Variablen beachtet werden: So zum Beispiel die Baumart, ob der Baum nass oder trocken ist, und, im Falle sommergrüner Bäume, ob Blätter vorhanden sind oder nicht.

Isolierte Bäume sind normalerweise kein großes Problem, aber ein dichter Wald stellt durchaus eine Herausforderung dar. Die Dämpfung hängt von der Entfernung ab, die das Signal durch den Wald überwinden muss, und nimmt mit der Frequenz zu.

Eine kurze Analyse des Einflusses von Wäldern auf die Reichweite eines drahtlosen Netzwerks wird im CCIR-Bericht 1145 „Propagation over irregular terrain with and without vegetation“ (International Telecommunication Union, Geneva, 1990) vorgenommen und in ITU-R P.833-4 empfohlen. Auf Abbildung 1 wird diese die ITU-R P.833-4- Empfehlung, die den Einfluss von Waldflächen auf die Dämpfung untersucht, zusammengefasst vorgestellt.

Die Dämpfung liegt in der Größenordnung von 0,05 dB/m bei 200 MHz, 0,1 dB/m bei 500 MHz, 0,2 dB/m bei 1 GHz, 0,3 dB/m bei 2 GHz und 0,4 dB/m bei 3 GHz. Auch bei niedrigeren Frequenzen ist die Dämpfung bei horizontaler Polarisation etwas niedriger als bei vertikaler. Dieser Unterschied gilt nicht für Frequenzen über 1 GHz. Das bedeutet, dass dieses Kriterium den Pfadverlust beeinflusst, wenn das Signal mehrere hundert Meter Wald durchdringen muss.

Glücklicherweise findet auch ein erheblicher Teil der Ausbreitung über den Baumwipfeln durch Beugung statt, besonders wenn Sie die Antennen fast auf Baumwipfel-Höhe befestigt werden oder einen Abstand vom Wald eingehalten werden kann.

Es ist also nicht alles verloren, wenn Ihr Netzwerk in der Nähe eines Waldes und darüber eingesetzt wird. In manchen Fällen ist dies sogar notwendig (z.B. bei Wasserstandsmessungen in einem bewaldeten Gebiet). Mit einem Link-Budget von 150dB (siehe Blog-Post 1) können somit theoretisch Reichweiten von 750-1500 Meter direkt durch dichten Wald erwartet werden. In einem Kundenszenario für die Pegelstandsmessung wurde ein Gateway auf Baumwipfelhöhe angebracht (ca. 10 Meter) und insgesamt 8 Standorte im Umkreis von 500-2500 Meter getestet. Die Sender wurden auf 30 cm Höhe angebracht. Alle Standorte hatten gute bis sehr gute Erfolgsquoten, somit lassen sich durch Beugung wie beschrieben auch durchaus höhere Reichweiten ohne Sichtkontakt (NLOS) erzielen.

Ein LoRaWAN erzielt -Netzwerk in ländlichen und halb-ländlichen Gebieten, die teilweise mit Vegetation bedeckt sind, erzielt bei LOS-Verbindungen (Line Of Sight) eine Reichweite von mehr als 20 km.

Modellrechnung 3: Dämpfung von Wasser

 

Die Dämpfung für Funkwellen ist im Wasser sehr hoch. Sie nimmt sowohl bei einer Steigerung der mittleren Leitfähigkeit als auch der Signalfrequenz zu. Dies kann durch folgende Formel berechnet werden:

α=0.0173 (fσ)  (9)

dabei bedeutet:

α = Dämpfung (in dB/Meter)
f = Frequenz in Hertz und
σ = Leitfähigkeit in mhos/Meter

Die Leitfähigkeit von Meerwasser liegt zwischen 2 und 8 mhos/Meter, abhängig vom Salzgehalt. Um dort überhaupt kommunizieren zu können, ist es notwendig, VLF zu verwenden (very low frequencies, Längstwellen von 10 bis 30 kHz), wobei die Dämpfung in der Größenordnung von 3,5 bis 5 dB pro Meter liegt.

Wie würden die beschriebenen Beziehungen das LoRaWAN-Netzwerk also beeinflussen? Wenn Sie einen Knoten haben, der zum Beispiel 5 km durch die Luft mit Sichtlinie auf 868 MHz Frequenz senden kann, wie weit würde er unter Wasser gehen?

α = 0.0173 (fσ) = 0.0173 (868000000*2)  =  720dB/m.

Die Leistungsübertragungsbilanz des LoRaWAN-Netzwerks hängt von der Umgebung ab, doch für dieses Beispiel nehmen wir an, dass sie bei 150 dB liegt. Unter Wasser könnte man damit ungefähr 20 cm weit kommunizieren.

 


Bei konkreten Fragen zu diesem Thema können Sie sich jederzeit an unseren Leiter der Delivery Unit, Reimo Schaupp, wenden.

Mit dieser zugegebenermaßen eher theoretischen Betrachtung endet der 2. Teil zum Thema Reichweite von LoRaWAN. Den ersten Teil des Artikels, in dem die wichtigsten Faktoren, die Einfluss auf die Reichweite von Funknetzen haben, beschrieben werden, finden Sie an andere Stelle in unserem Blog.

 

Falls Sie bei der nächsten Veröffentlichung zum Thema informiert werden wollen, hinterlassen Sie uns einfach Ihre E-Mail-Adresse.

 

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