Kerlink Wirnet iFemtoCell – Kleines LoRaWAN Indoor Gateway mit großer Leistung

Oktober 24, 2018

Ein Beitrag unseres Gastautors Dr. Claus Kühnel.

Vorbemerkung

Das Long Range Wide Area Network (LoRaWAN) ist ein Low-Power-Wireless-Netzwerkprotokoll, dessen Spezifikation von der LoRa Alliance festgelegt wird, frei verfügbar ist und die proprietäre Chirp Spread Spectrum Modulationstechnik „LoRa“ der Semtech Corporation nutzt [1].

Die LoRaWAN-Netzwerk-Architektur ist als erweiterte Star-Topologie ausgebildet. Gateways bilden eine Brücke zur Weiterleitung von Mitteilungen von End-Devices (LoRa Nodes) zu einem zentralen Netzwerk-Server (LoRa Server). Gateways sind mit dem Netzwerk-Server über Standard-IP verbunden, während End-Devices drahtlos mit einem oder mehreren Gateways kommunizieren (Abbildung 1).

Abbildung 1   LoRaWAN-Netzwerk-Topologie

 

Der Ausbau landesweit erreichbarer Funknetze auf LoRa-Basis ist in einigen Ländern, wie der Schweiz (Swisscom), den Niederlanden (KPN) und Süd-Korea (SK Telecom), bereits erfolgreich umgesetzt. Andere Service Provider stellen ebenfalls die erforderliche Infrastruktur zur Verfügung. Neben kommerziellen Angeboten gibt es auch Services, die kostenfrei genutzt werden können. Drei möchte ich hier nennen:

  • LORIOT ist ein 2015 gegründetes Schweizer Start-Up im Bereich Internet der Dinge. Das Kernprodukt ist heute Software für den skalierbaren, verteilten, robusten Betrieb von LoRaWAN-Netzwerken und End-to-End-Anwendungen, die unter einer Vielzahl von Geschäftsmodellen angeboten werden. Es gibt ein kostenfreies Angebot für bis zu 10 Devices und 1 Gateway.
  • ResIOT – Entwicklung innovativer und effektiver Tools für das Management von LPWAN-Netzwerken. Es gibt ein kostenfreies Angebot für 15 Devices und 1 Gateway.
  • The Things Network (TTN) ist eine internationale, Community-basierte und offene IoT-Infrastruktur, die von ihren Mitgliedern unterstützt wird. Die Mitglieder tragen dazu bei, indem sie Gateways platzieren oder Netzwerkserver betreiben. Das kollaborartive Netzwerk von TTN ist seit 2015 global aktiv.

Findet man in der Umgebung seiner LoRaWAN-Nodes kein entsprechendes Gateway, Ist also keine Abdeckung in der betreffenden Umgebung vorhanden, dann fügen Sie einfach ein weiteres Gateway dem Netzwerk hinzu, um das Netzwerk sowohl für die eigenen Zwecke als auch für andere zu erweitern.

Im nächsten Schritt wird natürlich die Frage der Kosten eines solchen Gateways zu betrachten sein, die im folgenden Abschnitt vergleichend betrachtet werden sollen.

Kosten eines LoRaWAN Gateways

Das LoRaWAN-Gateway verbindet die über Funk kommunizierenden LoRaWAN-Nodes über das Internet mit dem LoRaWAN-Server. Weil hier in erster Linie Stabilität und Sicherheit gefordert sind, betrachte ich für diesen Einsatz nur kommerzielle LoRaWAN-Gateways. Einen Auszug aus dem verfügbaren Spektrum zeigt Tabelle 1.

Gateway Hersteller Einzelpreis
Wirnet iFemtoCell – Schlankes LoRaWAN Indoor Gateway Kerlink ca. 300 €
The Things Network Wireless-Router TTN Gateway TTN ca. 340 €
Lora Gateway LORIX One IP65 outdoor EU 868Mhz Lorix ca. 480 €
MultiConnect Conduit – Indoor Gateway Multi-Tech Systems, Inc. ca. 675 €
Wirnet Station 868 – LoRaWAN Outdoor Gateway Kerlink ca. 985 €

Tabelle 1   Auswahl verschiedener LoRaWAN-Gateways (Stand 10/2018)

Für den Einsatz im Gebäude (Indoor) stellt das Wirnet iFemtoCell LoRaWAN Gateway eine Möglichkeit am unteren Ende der Preisskala dar und soll deshalb an dieser Stelle hinsichtlich seiner Einsatztauglichkeit untersucht werden.

Wirnet iFemtoCell LoRaWAN Gateway

Das Wirnet iFemtoCell LoRaWAN Gateway ist perfekt für die Erweiterung in Gebäuden (zusätzliche Abdeckung in Gebäuden zur Verdichtung öffentlicher Verfügbarkeit und Kontinuität des Dienstes) oder für die private Abdeckung von Standorten geeignet, die kontinuierliche Konnektivität für ihre IoT-Anwendungen erfordern.

Dieses kostengünstige LoRaWAN-Gateway wird in einem kompakten und voll ausgestatteten Gehäuse angeboten (Abbildung 2).

Abbildung 2   Wirnet iFemtoCell Gateway

 

Es nutzt das gleiche erfolgreiche LoRa RF-Design wie sein Vorgänger, die Wirnet Station 868, und bietet hohe Leistung für eine sehr tiefe Innenabdeckung in anspruchsvollen Umgebungen (Keller, Tiefgarage, Parkplätze, Aufzugsschächte u.a.m.) zum Anschluss unterschiedlichen LoRaWAN-Nodes (Sensoren, Aktoren).

Technische Daten

Die technischen Daten des Wirnet iFemtoCell Gateways sind im Datenblatt des Herstellers [2] gelistet. Hier kann nur ein kleiner Auszug wiedergegeben werden.

Das Wirnet iFemtoCell Gateway ist ein Linux-Device auf Basis einer i.MX 6SoloX CPU (ARM Cortex-A9 & ARM Cortex-M4 Cores) mit LAN-, WLAN- und USB-Interface. Der LoRaWAN-Teil entspricht dem Semtech Reference Design, wie es auch im LoRa Gateway Radio Board von Microchip zum Einsatz kommt [3].

Das Gateway bietet 49 LoRa-Demodulatoren über 9 Kanäle und verfügt über exklusive Funktionen für die Fernüberwachung und -verwaltung mit dem Waresy Management Center.

Die Spannungsversorgung erfolgt über ein mitgeliefertes Steckernetzteil. Eine omnidirektionale, externe Antenne sichert einen Antennengewinn von 3 dBi.

Ein Blockdiagramm des Wirnet iFemtoCell Gateways ist in Abbildung 3 gezeigt.

Abbildung 3   Wirnet iFemtoCell Gateway – Blockdiagramm

Auf dem Wirnet iFemtoCell Gateway sind verschiedene Software-Komponenten installiert (Embedded Base Station Controller (BSC), LoRa Packet Forwarder, LoRa Test Tools, Python, Busybox, Ntp, DHCP Client, Firewalling (iptables), IP routing (layer 3), OpenVPN, IPSEC (StrongSwan),  Connman, Ofono). Die KerOS-Distribution unterstützt OPKG-Pakete. Es wird empfohlen, das OPKG-Format zum Bereitstellen von Anwendungen zu verwenden.

Zur Inbetriebnahme und Konfiguration steht ein ausführliches Wiki auf der Herstellerseite zur Verfügung. Zugriff auf das Kerlink Wiki erhält man über ein Login, wofür User und Password benötigt werden.

Unboxing

Nachdem der Postbote die Sendung kürzlich abgliefert hatte, geht es ans Auspacken und es liegen die folgenden Komponenten auf dem Tisch (Abbildung 4).

Abbildung 4  Inhalt der Box

Steckernetzteil und Wirnet iFemtoCell Gateway sind die beiden Hardware-Komponenten. Auf dem Beiblatt findet man den Hinweis, wie der Zugriff auf die Dokumentation erfolgen muss.

Eine eMail an support@kerlink.fr mit der Angabe der Seriennummer des eben erhaltenen Wirnet iFemtoCell Gateways wird geraume Zeit später (bei mir war es ein Tag) mit den Zugriffsdaten beantwortet. Über die URL http://wikikerlink.fr/wirnet-ifemtocell erhält man dann Zugriff auf das Wirnet iFemtoCell Wiki.

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme gestaltet sich erstmal recht einfach, denn es sind nur die Kabel zur Spannungsversorgung und zum Router (LAN) zu verbinden (Abbildung 5).

Abbildung 5   Anschluss von Spannungsversorgung und LAN

Die Ethernet-Verbindung funktioniert unabhängig von der installierten Firmware und sollte bei der ersten Inbetriebnahme verwendet werden. Die drei frontseitigen LEDS signalisieren den Betriebszustand des Gateways (Tabelle 2).

Status Power LED Backhaul LED LoRa Traffic LED
Kernel Boot Red blinking Red Red
System Boot Green blinking
Boot finished Green
Packet Forwarder – TX Red blinking
Packet Forwarder – RX Green blinking

Tabelle 2   Anzeige des Betriebszustands

Nachdem die Power LED durch Green das Ende des Bootvorgangs signalisiert, kann die Kennung des Wirnet iFemtoCell Gateways abgefragt werden.

Zu diesem Zweck verwende ich das Tool Advanced IP Scanner.

In meinem Netzwerk wurde dem Wirnet iFemtoCell Gateway vom DHCP-Server die IP-Adresse 192.168.1.118 zugeteilt, wie aus Abbildung 6 ersichtlich wird. Über diese Adresse kann nun ein SSH- oder HTTP-Zugriff auf das Gateway erfolgen.

Abbildung 6   Abfrage der IP-Adresse des Wirnet iFemtoCell Gateways

SSH-Verbindung

Um über SSH auf das Gateway zugreifen zu können, benutze ich auf meinem unter Windows 10 laufenden Entwicklungs-PC den SSH-Client PuTTY.

Abbildung 7   PuTTY Konfiguration

Die Zugangsdaten sind root:pdmk-03074D, wobei das Password die letzten sechs Hexzahlen des Hostnamens klk-widc-03074D enthält.

Abbildung 8 zeigt nun die Abfrage der installierten Firmware-Version über SSH. Zum einen kann diese über das Kommando opkg list-installed abgefragt werden, zum anderen aber auch aus der Datei sys_startup_status.json durch grep isoliert werden.

Abbildung 8   Abfrage der Firmware-Version

 

Eine weitere Zugriffsmöglichkeit ist das Web-Interface des Wirnet iFemtoCell Gateways. Bei der bestehenden Firmware Version erfolgt der Zugriff über admin:admin, was man im Vorhinein natürlich nicht weiß.

Abbildung 9   Wirnet iFemtoCell Gateway Web-Interface

Firmware-Update

Beim ausgelieferten Wirnet iFemtoCell Gateway muss man davon ausgehen, dass nicht die aktuelle Firmware installiert ist. Für ein Linux-Device nicht unüblich, wird man also zuerst die installierte Firmware überprüfen und ggf. auch updaten. Die Abfrage der Firmware-Version hatte ergeben, dass hier die Firmware v3.1.3 installiert ist.

Im Wiki kann man aber nachlesen, dass im September 2018 die Wirnet iFemtoCell Firmware v3.4.5 (September 2018) herausgegeben wurde.

Am einfachsten gestaltet sich das Firmware-Update über das Netzwerk. Über die URL http://wikikerlink.fr/wirnet-ifemtocell/doku.php?id=wirnet-ifemtocell:resources hat man Zugriff auf alle Software-Versionen. Ich lade die Wirnet iFemtoCell Firmware v3.4.5 auf meinen Entwicklungs-PC von da herunter.

Bevor die Firmware auf das Wirnet iFemtoCell Gateway kopiert werden kann, ist noch das Verzeichnis .updates zu erzeugen:

# mkdir /user/.updates

In dieses Verzeichnis kann nun die aktuelle Firmware-Version vom Entwicklungs-PC mittels SCP kopiert werden (Abbildung 10).

Abbildung 10   Firmware Update

Die folgenden Schritte schließen das Update ab (Abbildung 11):

Abbildung 11   Abschluss Firmware Update

Durch sync wird sichergestellt, dass die Datei in den Speicher geschrieben ist und kerosd –u sorgt für das Update beim nächsten Bootprozess. Damit steht dem reboot nichts mehr im Wege.

Über das Web-Interface können wir uns vom Erfolg des Updates überzeugen. Zum Login muss man nun die Kombination admin:pwd4admin verwenden und das Erscheinungsbild des Programms ist gleichermaßen verändert. Abbildung 12 zeigt, dass aktuell die Firmware v3.4.5 installiert ist und über das Web-Interface weitere Konfigurationsmöglichkeiten angeboten werden.

Wie Abbildung 13 zeigt, habe ich den vorgegebenen NTP-Server durch den der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig ersetzt. Hinweise zur Zeitsynchronisation finden sich unter [4].

Abbildung 12   Wirnet iFemtoCell Gateway Web-Interface nach Firmware-Update

Abbildung 13  Konfiguration des NTP-Servers

Packet Forwarder

Ein Packet Forwarder ist ein Programm, das auf einem LoRaWAN-Gateway läuft, und vom Gateway empfangene RF-Pakete über eine IP/UDP-Verbindung an einen Server weiterleitet und RF-Pakete ausgibt, die vom Server gesendet werden.

Im Wiki findet man aktuell den Semtech Packet Forwarder v3.1.0-klk18 vom Juni 2018 (spf_3.1.0-klk18_4.1.3-klk11_klk_wifc.ipk).

Der Hardware Abstraction Layer (HAL) ist eine Bibliothek zur Verwendung der LoRa-RF-Hardware. Hier ist die FPGA-Version (Bestandteil des HAL) auf Kompatibilität der Version zu überprüfen. Abbildung 16 zeigt den erforderlichen Aufruf.

Abbildung 16   Check FPGA Version

Passen die beiden Versionen

  • util_fpga_start <HAL>-klkx
  • spf_<version>-<HAL>_klk_wifc.ipk,

wie hier mit 4.1.3, zueinander, dann muss das vorcompilierte HAL-Paket nicht installiert werden.

Es reicht dann, den vorcompilierten Packet Forwarder herunterzuladen und zu installieren. Die Vorgehensweise ist identisch zum Firmware-Update. Abbildung 17 zeigt das Kopieren der Datei spf_3.1.0-klk18_4.1.3-klk11_klk_wifc.ipk vom Entwicklungs-PC auf das Wirnet iFemtoCell Gateway.

Abbildung 15   Packet Forwarder Update

Nachdem der Packet Forwarder installiert ist, kann dieser für die Verbindung zu TTN konfiguriert werden. Hierzu ist die Datei /user/spf/etc/global_conf.json mit der richtigen Serveradresse zu versehen. Mit Hilfe des auf dem Wirnet iFemtoCell Gateway installierten Editors vi kann diese Änderung vorgenommen werden.

"gateway_conf": 
{

   "server_address": "router.eu.thethings.network",
   "serv_port_up": 1700,
   "serv_port_down": 1700,
   "keepalive_interval": 10,
   "stat_interval": 30,
   "push_timeout_ms": 100,
   "forward_crc_valid": true,
   "forward_crc_error": false,
   "forward_crc_disabled": false,
   "autoquit_threshold": 3
}

Nach erfolgtem Eintrag der Serveradresse kann das Gateway einem Reboot unterzogen werden.

Integration ins TTN

Integration des Gateways ins TTN

Die Gateway ID ist in der Datei local_conf.json verankert. Für die Registrierung des Gateways bei TTN ist diese erforderlich (Abbildung 16).

Abbildung 16   Abfrage Gateway ID

Auf den Registrierungsprozess des Gateways bei TTN möchte ich nicht im Einzelnen eingehen. Sie ist unter https://www.thethingsnetwork.org/docs/gateways/registration.html im Detail beschrieben. Mit Abbildung 19 möchte ich demonstrieren, dass die Registrierung erfolgreich war und das Wirnet iFemtoCell Gateway nun den Status „connected“ aufweist.

Abbildung 17   Bei TTN registriertes Gateway

LoRaWAN-Knoten im TTN

Von einen ERS Lite – LoRaWAN Raumsensor sollen Messwerte an den TTN-Server übermittelt werden. In Abbildung 18 sind die vom ERS Lite – LoRaWAN Raumsensor versendeten Messages in der TTN-Anwendung zu sehen. Details zur Anmeldung einer Application bei TTN sind unter https://www.thethingsnetwork.org/docs/applications/add.html zu finden. In meinem Buch mit dem Titel „Einfache LoRaWAN-Knoten für das IoT“ [5] habe ich das für unterschiedliche LoRaWAN-Knoten beschrieben.

In der Message verpackt sind drei Messwerte. Übertragen werden Temperatur, relative Feuchte und die Batteriespannung. Die Batteriespannung ist eine wichtige Indikation für die Funktionsfähigkeit und weitere Lebensdauer des betreffenden LoRaWAN-Knotens.

Abbildung 18   Anwendungsdaten ERS-lite Node

Klickt man nun auf das kleine Dreieck neben der Zeitangabe, dann können beispielsweise alle Gateways eingesehen werden, über die Messages der betreffenden Sensor-Node an den TTN-Server weitergeleitet wurden.

In Abbildung 19 markiert ist unter anderen das aktuell installierte Wirnet iFemtoCell Gateway zu sehen, was als Nachweis gilt, dass das Wirnet iFemtoCell Gateway ins TTN integriert ist und seine Arbeit aufgenommen hat.

Abbildung 19   Involvierte Gateways

Integration ins LORIOT-Netzwerk

Schon in den Vorbemerkungen hatte ich LORIOT als kommerziellen Anbieter von IoT-Services genannt.

LORIOT ist mittlerweile in über 70 Ländern präsent und letztens vom  tschechischen Telekommunikationsunternehmen České Radiokomunikace, a.s. zum Aufbau eines landesweiten LoRaWAN-Netzwerk ausgewählt worden. Für den kommerziellen Einsatz von LoRaWAN ist LORIOT sicher ein zu berücksichtigender Anbieter.

Integration des Gateways ins LORIOT-Netzwerk

Nach dem ich im letzten Abschnitt die Integration des Wirnet iFemtoCell LoRaWAN Gateways ins TTN gezeigt habe,  möchte ich es gleichermaßen in das LORIOT-Netzwerk integrieren.

Nach dem man bei LORIOT einen Account registriert hat, zeigt sich nach dem Login die LORIOT-Infrastruktur (Abbildung 20).

Abbildung 20   LORIOT-Infrastruktur

Für meine Zwecke hier habe ich einen freien Community Account auf dem Server EU1 (Frankfurt) registriert.

Die Integration eines Gateways wird durch zahlreiche Vorgaben verbreiteter LoRaWAN Gateways sehr gut unterstützt. Das hier verwendete Wirnet iFemtoCell Gateway ist aufgeführt und kann selektiert werden (Abbildung 21).

Abbildung 21   Auswahl des Wirnet iFemtoCell Gateways zur Integration

Zur Registrierung des Gateways wir dessen MAC-Adresse benötigt. Zur Abfrage der MAC-Adresse genügt ein SSH-Zugriff auf das Gateway und die Abfrage in der Form:

# ifconfig eth0 | grep HWadress

Wie Abbildung 22 zeigt, wird jeder erforderliche Schritt sehr gut mit Hilfe des Web-Interfaces geführt.

Die Ausgabe der MAC-Adresse kann dann, beispielsweise aus PuTTY heraus, kopiert und ins Web-Interface an der Stelle eth0 MAC address eingefügt werden.

Abbildung 22   Registrierung des Gateways

Für die Installation der LORIOT-Software auf dem Gateway gibt es zwei Optionen.

  1. Verwendung eines vorkompilierten Binaries
  2. Komplette Installation der LORIOT-Software

Der Einfachheit halber habe ich die erste Version verwendet. In Abbildung 23 ist wiederum die Vorgehensweise im Detail beschrieben, so dass sich weitere Erläuterungen an dieser Stelle erübrigen.

Ein Hinweis sollte aber unbedingt beachtet werden. Die Installation einer neuen Gateway-Software sollte immer unter der Voraussetzung gemacht werden, dass keine bereits installierten Softwarekomponenten auf den SX1301 zugreifen. Ich habe deshalb den aus der TTN-Installation vorhandenen Packet Forwarder deinstalliert.

Abbildung 23   Installation LORIOT Gateway Binary

Das Ergebnis der Installation wird nun mit Abbildung 24 dokumentiert.

Abbildung 24   Gateway in Operation

LoRaWAN-Knoten im LORIOT Netzwerk

Ein LoRaWAN-Gateway zum Selbstzweck macht wenig Sinn, weshalb ich wieder den ERS Lite – LoRaWAN Raumsensor verwenden will, um diesmal Messwerte an den LORIOT-Server zu übermitteln.

Hierzu ist, wie bereits beim TTN erfolgt, eine Anwendung zu erzeugen und dieser ein oder mehrere Devices zuzuordnen. Wie Abbildung 25 zeigt ist zur Verknüpfung eines Devices nur dessen vom Hersteller vergebene Device EUI erforderlich, alles andere wird durch LORIOT erzeugt und ist dem Device mitzuteilen (Abbildung 26). Beim ERS Lite – LoRaWAN Raumsensor war das durch die Hersteller App und die NFC-Datenübertragung sehr einfach.

Abbildung 25   Hinzufügen eines Devices

Abbildung 26   Gateway Daten

Nachdem nun auch die Anwendung mit einem ersten Device bei LORIOT bekannt gemacht wurde, zeigen die Websocket-Daten die erwarteten Messwerte des ERS Lite – LoRaWAN Raumsensor.

Abbildung 27   Zugriff auf Websocket-Daten

Programmierung von Anwendungen

SSH-Zugriff

Obwohl keine eigentliche Anwendung möchte ich mit Abbildung 22 den Zugriff auf einige Information des Wirnet iFemtoCell Gateways über SSH aufzeigen. Die Bedeutung der in Abbildung 22 eingesetzten Kommandos listet Tabelle 3.

Abbildung 28   SSH-Zugriff auf das Wirnet iFemtoCell Gateway

cat /proc/cpuinfo CPU Information
cat /tmp/sys_startup_status.json | grep sw_version KerOS Software Version
cat /tmp/loraboard_version Board Version
uname -a Linux Version

 

Tabelle 3   Kommandos gemäß Abbildung 28

Da auf dem Wirnet iFemtoCell Gateway eine Linux-Shell und Python zur Verfügung stehen, können Programme auf dem Gateway erstellt werden. Als Editor steht vi zur Verfügung. Außerdem lassen sich, wie bereits beim Firmware-Update vorgeführt, mit Hilfe von SCP Anwendungen in das Verzeichnis /user kopieren und von da starten.

Boardinfo

Das Shell-Script boardinfo.sh fragt verschiedene Informationen vom Gateway ab und gibt diese über die Konsole aus (vgl. Abbildung 29). Ich möchte hier den Quelltext aus Platzgründen nicht listen sondern auf Github verweisen.

Abbildung 29   Aufruf und Ausgabe boardinfo.sh

 

Pushover

Pushover ist eine Plattform zum Versenden und Empfangen von Push-Nachrichten. Serverseitig dient ein HTTP API als Schnittstelle für den Empfang von Mitteilungen, die an adressierbare Empfänger weitergeleitet werden. Als Empfänger dienen Android- oder iOS-Devices bzw. Desktops. Die betreffenden Clients empfangen an sie adressierte Nachrichten, zeigen diese dem Anwender und speichern sie zur späteren Ansicht.

Ich möchte Pushover auf dem Wirnet iFemtoCell Gateway einsetzen, um tagsüber Uptime-Messages zu erhalten, die einen Hinweis auf die Stabilität des Systems geben sollen. Uptime dient hier als Beispiel und kann durch andere Systemmitteilungen ersetzt werden.

Ich verwende der Einfachheit halber das API für die Linux-Kommandozeile (CLI). Mit Hilfe von cURL, ebenfalls in der KerOS-Distribution enthalten, kann von der Kommandozeile oder aus einem Shell-Script heraus die Pushover Nachricht versendet werden. Der cURL-Aufruf ist mit den folgenden Parametern zu versehen, die man nach Eröffnung eines Pushover-Accounts erhält.

# curl –s \
    --form-string "token=<APP_TOKEN> \
    --form-string "user=<USER_TOKEN> \
    --form-string "message=<MESSAGE> \
    https://api.pushover.net/1/messages.json

Das Shell-Script monitoring_uptime.sh ruft das Kommando uptime auf und sendet die Daten als Pushover Mitteilung an mein Smartphone (Abbildung 30).

Abbildung 30   Pushover Messages

 

Als Cronjob eingerichtet erhalte ich nun tagsüber (zu jeder vollen Stunde) diese Mitteilung, die mir zeigt, ob mein Gateway stabil arbeitet (Abbildung 31). Der Cronjob ist nach einem Reboot aktiv.

Abbildung 31   Cronjobs

Schlussbemerkung

Das kompakte Wirnet iFemtoCell LoRaWAN Gateway wurde geführt durch das detaillierte Wiki des Herstellers Kerlink ins TTN integriert und arbeitet erwartungsgemäß.

Kostenmäßig auch für den Maker oder Privatanwender sehr interessant wird es manche Selbstbaulösung überflüssig machen.

Beim Web-Interface hat es eine sichtbare Weiterentwicklung gegenüber vorherigen Firmware-Versionen gegeben. Allerdings wäre eine komplette Konfiguration des Gateways über das Web-Interface wünschenswert.

Insgesamt bietet das Wirnet iFemtoCell LoRaWAN Gateway eine sehr gute Möglichkeit, mit der man seine LoRaWAN-Knoten in ein LoRaWAN-Netzwerk integrieren kann, ohne dass die Nutzung von Gateways anderer vorausgesetzt werden muss.

Die erwähnten Anwendungsprogramme befinden sich in einem Repository auf Github unter https://github.com/ckuehnel/LoRaWAN-Node.


Portrait of Dr. Claus Kühnel

Über den Autor

Dr.-Ing. Claus Kühnel studierte und promovierte an der Technischen Universität Dresden auf dem Gebiet der Informationselektronik und bildete sich später in Biomedizintechnik weiter. Bis zu seiner Pensionierung 2016 war er bei der Qiagen Instruments AG in Hombrechtikon (CH) als Director Electronic Engineering & Embedded Systems für die Entwicklung von Elektronik-Hardware und hardwarenaher Software verantwortlich. Aktuell arbeitet er als Consultant und weiterhin als Autor.

Kontakt: info@ckuehnel.chLinkedIn, Xing

Referenzen

[1] Wikipedia – Long Range Wide Area Network
https://de.wikipedia.org/wiki/Long_Range_Wide_Area_Network

[2] Wirnet iFemtoCell Gateway – Data Sheet
https://smartmakers.io/en/m/media/pdf/52/80/5b/kerlink-DataSheet_Wirnet_iFemtoCell.pdf

[3] Microchip – LoRa® Technology Gateway User’s Guide
http://ww1.microchip.com/downloads/en/DeviceDoc/40001827A.pdf

[4] Zeit-Abgleich
https://www.heise.de/ct/artikel/Zeit-Abgleich-221728.html

[5] Kühnel, C.:
Einfache LoRaWAN-Knoten für das IoT.
ISBN 3-907857-35-9
Print https://www.amazon.de/dp/3907857356
eBook https://www.amazon.de/dp/B07HDP62K3

Verweise

Haben Sie noch mehr vor? In unserem Beitrag „Leistungsfähiges Indoor LoRaWAN Gateway mit GSM-Unterstützung“ beschreiben wir die Inbetriebmahme des LoRaWAN Gateway Wirnet iFemtoCell mit einem USB-GSM-Dongle.

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